27.10.2015

Eine Bahnstrecke, die Europa verbindet

Bild: Magistrale für Europa
Viel Unterstützung für Bahnbausbau bei SPD-Diskussion über Magistrale zwischen Paris und Budapest
Eine Bahnmagistrale, die über 35 Millionen Menschen miteinander verbindet und von Paris über Straßburg, Stuttgart, München und Wien nach Budapest führt: über dieses große europäische Infrastrukturprojekt diskutierten auf Einladung der SPD Freilassing und der SPD Berchtesgadener Land am vergangenen Mittwoch in der Freilassinger Lokwelt Vertreter aus Politik und Wirtschaft ebenso wie Bürgerinitiativen und Verbände. Kurz vor dem ersten Entwurf des neuen Bundesverkehrswegeplans gab es viel Unterstützung für einen komplett zweigleisigen und elektrifizierten Ausbau der Bahnstrecke zwischen Mühldorf und Freilassing als Teil der Magistrale, aber auch die Sorge der betroffenen Anwohner in Laufen und Kirchanschöring.

Der SPD-Kreisvorsitzende Roman Niederberger, der die Veranstaltung moderierte, erinnerte sich in seiner Begrüßung an ein Gespräch mit dem Vorsitzenden der SPD Freilassing Tim Grünberg. „Wir haben uns gefragt: kann man in der aktuellen Situation mit Grenzkontrollen und ungelösten europäischen Problemen eine Veranstaltung ´Magistrale für Europa´ machen?“. Die Antwort sei klar: gerade jetzt müsse man für Projekte Farbe bekennen, die Europa verbinden und in die Zukunft weisen. Im gut gefüllten Seminarraum der Lokwelt wurden gleich zwei Gäste aus Karlsruhe begrüßt: der Geschäftsführer der Initiative ´Magistrale für Europa´ Markus Lorenz und als Vertreter der Stadt Jochen Ehlgötz.

Der Leiter des Referats Außenbeziehungen der Stadt Karlsruhe Jochen Ehlgötz stellte in seinen Ausführungen dar, dass die Idee einer europäischen Bahnverbindung von West nach Ost in Karlsruhe bereits vor dem Fall des eisernen Vorhangs entstanden sei. Man hätte zwar einen langen Atem gebraucht, aber in vielen Bereichen sei man vorangekommen. „In den 80´er Jahren betrug die Fahrtzeit mit der Bahn zwischen Paris nach Karlsruhe beinahe sechs Stunden. Jetzt sind wir bei knapp drei und werden sie demnächst auf 2,5 Stunden reduzieren können“, berichtete er. Die Stadt Karlsruhe stehe bereit, die sich daraus ergebenden wirtschaftlichen Chancen aktiv zu nutzen.

Als Geschäftsführer der Initiative ´Magistrale für Europa´, in der sich die an der Strecke befindlichen Gemeinden und Regionen organisieren, stellte Markus Lorenz den aktuellen Stand des Ausbaus dar und betonte die Bedeutung des Streckenabschnitts zwischen München und Freilassing. „Die ABS 38 ist für uns von entscheidender Bedeutung, weswegen wir im Vorfeld des neuen Bundesverkehrswegeplans entschlossen für einen vollständigen und schnellen Ausbau eintreten“, machte er deutlich.

Diesen Ball nahm die heimische SPD-Bundestagsabgeordneten Dr. Bärbel Kofler in ihren Ausführungen auf. Sie betonte die Bedeutung des Ausbaus für alle öffentlichen Verkehrsprojekte in der Region. Mit dem Bau des Dritten Gleises zwischen Freilassing und Salzburg sei nun ein wesentlicher Baustein, der sie in ihrer ganzen politischen Tätigkeit begleitet habe, endlich im Entstehen. Zum aktuellen Zeitpunkt gebe es ansonsten nur wenig Neues zu berichten, da sich der vom Bundesverkehrsministerium angekündigte Entwurf des neuen Bundesverkehrswegeplans weiter verzögere.

Ihr Kollege aus dem Bayerischen Landtag Günther Knoblauch hatte bereits als Bürgermeister von Mühldorf für den Bahnausbau gekämpft und bezeichnete die ABS 38 weiterhin als „Herzensanliegen“. Neben der großen Bedeutung der Strecke für das bayerische Chemiedreieck und die dortigen Arbeitsplätze sei auch die Anbindung des Münchner Flughafens über die ´Walpertskirchener Spange´ eine echte Chance für Südostbayern und für eine Entlastung der Stadt Freilassing vom Salzburger Flugverkehr.

In der folgenden Diskussion meldeten sich unter anderem der Bürgermeister von Burgkirchen Johann Krichenbauer , Vertreter der Chemieindustrie und des Städtebundes zu Wort und unterstrichen die Bedeutung des Projekts. Mitglieder der Laufener Initiative für bürgernahe Verkehrsplanung fragten ebenso wie Bürger aus Kirchanschöring wegen des zukünftigen Lärmschutzes nach. Zu den konkreten Planungen nahm daraufhin Michael-Ernst Schmidt, Sprecher für Großprojekte Bayern der Deutschen Bahn Stellung, der Kriterien und rechtliche Grundlagen für den Lärmschutz entlang der Strecke für die ein- und zweigleisige Ausbauvariante darstellte. „Der Schutz der Anwohner steht nicht im Belieben der Deutschen Bahn, sondern ist klar gesetzlich geregelt und entscheidet sich nach dem Umfang der vorgenommenen Veränderungen“, machte er deutlich.

„Jede Tonne von Gütern und jeder Pendler oder Urlauber, den wir mit der Bahn befördern, ist ein Beitrag für den Klimaschutz und eine Entlastung des Straßennetzes und seiner Anwohner“, machte Jochen Ehlgötz zum Abschluss einer intensiven und fachlich hochkarätigen Diskussion deutlich. Roman Niederberger bedankte sich bei ihm und den weiteren Referenten mit Schokolade aus dem Laufener Eine-Welt-Laden und kündigte an, die Zusammenarbeit für ein attraktives Schienenverkehrsnetz weiter fortzuführen.

Foto:

Das Podium von links nach rechts:
Roman Niederberger (SPD-Kreisvorsitzender, Kreisrat), Dr. Bärbel Kofler, MdB, Jochen Ehlgötz (Stadt Karlsruhe), Markus Lorenz (Initiative ´Magistrale für Europa´), Günther Knoblauch, MdL


Dr. Bärbel Kofler, MdB Verkehrspolitik Roman Niederberger 

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