16.05.2016

Ein Zuhause auf Zeit für unbegleitete Minderjährige

Bild: Caritas Jugendhilfe BGL
Dr. Bärbel Kofler, MdB zu Besuch in der Jugendhilfe Caritas BGL in Bischofswiesen
Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge direkt neben einem Seniorenheim untergebracht – wie funktioniert das? Um sich über die aktuelle Situation in der Jugendwohngruppe der Caritas Berchtesgadener Land zu informieren, hat vor kurzem die heimische SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Bärbel Kofler gemeinsam mit dem Kreisrat und Kreisvorsitzenden der SPD BGL Roman Niederberger die Einrichtung besucht, die im Altbau des Seniorenheims St. Felicitas in Bischofswiesen liegt. Bei dieser Gelegenheit konnten sie aktuell von der Einrichtungsleiterin Ania Winter erfahren, dass aus dem bisherigen „Clearinghaus“ nun eine Unterkunft für minderjährige Flüchtlinge wird, in der sie sich bis zu ihrem 18. Lebensjahr aufhalten können.

Positiv nahm diese Nachricht der Leiter der Bischofswieser Grund- und Mittelschule Hans Metzenleitner auf, der an dem Gespräch ebenfalls teilnahm. Während bisher im Clearinghaus nur geklärt wurde, welchen Hilfsbedarf die jungen Leute haben, bevor sie auf andere Einrichtungen verteilt wurde, verlängert sich mit der neuen Struktur der Aufenthalt. „Damit haben wir in enger Zusammenarbeit zwischen Caritas und Schule die Möglichkeit, Sprachvermittlung und Integration in Schule und Einrichtung noch intensiver zu betreiben und schneller voranzukommen“, zeigten sich Ania Winter und Hans Metzenleitner erfreut über die bessere Planungssicherheit.

Das Miteinander in der Einrichtung funktioniere trotz der unterschiedlichen Herkunftsländer sehr gut, berichtete Ania Winter auf Nachfrage von Bärbel Kofler. Auch die Nachbarschaft mit den Bewohnern des Seniorenheims St. Felicitas sei harmonisch, erklärte dessen Leiterin Andrea Schnurrer. Die Abgeordnete und Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung zeigte sich beeindruckt von der intensiven Zusammenarbeit zwischen Schule und dem Jugendhaus in Bischofswiesen und dem vielfältig damit verbundenen ehrenamtlichen Engagement. „Wenn wir wollen, dass Integration von Anfang an und auf Dauer gelingt, brauchen wir aber flächendeckend in Bayern mehr Lehrerstunden besonders für den Deutschunterricht. Die Sprache ist der wichtigste Schlüssel zur Teilhabe in unserer Gesellschaft“, stellte Bärbel Kofler fest.

Für viele junge Geflüchtete bedeutet der 18. Geburtstag nicht nur die Volljährigkeit, sondern eine besondere Zäsur, berichtete Ania Winter im weiteren Gespräch. Derzeit kann die Vollendung des 18. Lebensjahrs das Ende der Jugendhilfe und den Umzug in eine Gemeinschaftsunterkunft für Asylsuchende bedeuten. Für junge Menschen mit deutscher Staatsbürgerschaft gibt es die Möglichkeit, Maßnahmen der Jugendhilfe über den 18. Geburtstag hinaus zu verlängern. „Eine solche Chance würde uns bei einigen jungen Flüchtlingen enorm weiterhelfen, die ohnehin zu diesem Zeitpunkt mit vielen Veränderungen - ggf. sogar beim Aufenthaltsrecht - konfrontiert sind“, berichtete die Einrichtungsleiterin. Nach Beendigung der Jugendhilfe erhalten die jungen Menschen, abhängig von ihrem Aufenthaltsstatus, Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz oder durch das Jobcenter als Hilfe zum Leben. Positiv hob sie auf Nachfrage von Roman Niederberger die Zusammenarbeit mit den kommunalen Verwaltungen hervor, die sich sehr um humane Lösungen mit Augenmaß bemühen.

Die Investitionen in die Jugendhilfe seien gut angelegt, um einen positiven Start bei der Integration junger Flüchtlinge zu schaffen, waren sich die Gesprächsteilnehmer einig. Wie sich auch aus konkreten Beispielen von Bewohnern Caritas Jugendwohngruppe zeige, stecke in vielen der jungen Menschen ein großes Potential. Wer wie der bayerische Finanzminister Markus Söder die unbegleiteten Minderjährigen aus der Jugendhilfe herausnehmen will, denke nur kurzfristig und gefährde den Erfolg der Arbeit von Trägern, Schule, Ausbildern und Ehrenamtlichen.
Zum Abschluss des Besuchs wünschten Bärbel Kofler und Roman Niederberger allen Mitarbeitern der Jugendgruppe weiterhin viel Erfolg für ihre schwierige und wichtige Aufgabe.

Foto: Im Gespräch über Integration (von links nach rechts):
Roman Niederberger (SPD-Kreisvorsitzender, Kreisrat), Dr. Bärbel Kofler, MdB, Andrea Schnurrer (Leiterin Seniorenheim St .Felicitas), Ania Winter (Leiterin Jugendhilfe und Caritas BGL), Hans Metzenleitner (Leiter Grund- und Mittelschule Bischofswiesen)





Bischofswiesen Dr. Bärbel Kofler, MdB Roman Niederberger Hans Metzenleitner 

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