31.07.2017

Wenn mit der Sonne die Post abgeht

Bild: Zoe aufladen
100 Prozent Selbstversorgung sind das Ziel. Beim Strom, Warmwasser und bei der Mobilität.
Martin Scheuerl beim SPD-Stammtisch zum Thema Stromselbstversorgung
Der Karlsteiner Martin Scheuerl wollte wissen, ob das geht und genau ein Jahr nach der Installation der Module auf dem Dach und einer Batterie im Keller berichtete er beim Stammtisch des Ortsvereins der Reichenhaller SPD über seine Erfahrungen. „Das Gefühl ist gut und auch wenn es sich mittlerweile sogar rech-net, ein bisschen Idealismus gehört schon dazu“.

Die alte selbst gebastelte Anlage zum Aufwärmen des Brauchwassers war undicht. Eine neue sollte her. Und dann kam eins zum anderen. Solaranlagen, also Wasser direkt erwärmen, ma-che man nicht mehr, so ließ er sich überzeugen. Eine Wärmepumpe, angetrieben vom Solar-strom mache das jetzt besser, günstiger und Strom macht die PV-Anlage auch bei kalter Wit-terung. Also, ein neuer Kessel mit Wärmepumpe und eine PV-Anlage! Da informiert man sich erst einmal. Und weil damals gerade die Intersolar-Messe war, ist Martin Scheuerl nach München gefahren. Schwerpunkt auf dieser Messe war aber nicht die PV-Stromproduktion auf dem Dach sondern die Speicherung im Keller: „da gab es geradezu einen Hype“.

Die Firma Sonnen im Allgäu hatte ihn dann überzeugt. Eine Batterie, schön verkleidet, in Modulbauweise jederzeit aufzustocken und mit Einbindung in eine Sonnencomunity. Also eine Gemeinschaft von mittlerweile tausenden weit verstreuten Batterien, die von der Firma bei Stromspitzenbedarf in Deutschland angezapft werden. Diese Energie wird zur Netzstabili-sierung teuer verkauft. Als Ausgleich liefert Sonnen, sollte die eigene Batterie leer sein, Strom umsonst.

Zuletzt war noch zu lösen, wer das alles einrichtet, installiert und vernetzt, damit der am Dach erzeugte Strom immer dorthin fließt, wo er gerade hin soll. Das Ziel ist, den Bezug aus dem teuren allgemeinen Netz möglichst gering zu halten. In Zusammenarbeit mit zertifizierten Elektrobetrieben z.B. in Piding oder Anger konnte die gesamte Installation und Computer-technik schließlich verwirklicht werden. Und nach einem Jahr ist jetzt klar geworden: Mehr als 90 Prozent des Haushaltsstroms im Zweifamilienhaus kommt vom Dach, einschließlich dem für die Wärmepumpe für das warme Wasser. Und um die umweltfreundliche Energie-ausbeute von der Sonne komplett zu machen, wurde eines der zwei vorhandenen Autos ersetzt durch ein Elektroauto. Weil die meisten Fahrten kürzer als 100 Kilometer sind, steht der Benziner zumeist ungenutzt herum.

Und was kostet das alles, wollte die SPD-Stammtischrunde natürlich zuerst wissen. Ulrich Scheuerl, der für die Finanzen zuständige Bruder im Zweifamilienhaus, konnte beruhigen: „gar nicht so schlimm“. 33.000 Euro hört sich erstmal viel an. Nur die 7,28 KW PV-Anlage und die 6 KWh-Batterie samt Installation kosten 29.000. Nach den Zuschüssen und der Um-satzsteuerrückerstattung sind es dann „nur“ noch 23000 Euro. Wenn man dagegen rechnet, dass man keine Stromrechnung mehr bekommt, das Gas für das Brauchwasser entfällt und für 7000 km im Jahr keine Benzinkosten anfallen, dann habe sich die Investition in 10 Jahren abbezahlt. Gar kein schlechter Wert, aber, wie gesagt, das Beste ist das Gefühl. Besonders wenn im E-Auto „die Post abgeht“. Und das mit der Sonne.




zurück