22.05.2018

SPD-Wanderung von Unken nach Schneizlreuth

Bild: Aigner Kraftwerk Schneizlreuth
Die SPD an der Saalach in Unken. Dort wo der Fluss in die Röhre von Unken nach Schneizlreuth eingeleitet werden soll.
Kommunalpolitische Wanderung in Sachen Kraftwerk Schneizlreuth. SPD erinnert an die Saalachresolution von 2001
Bad Reichenhall. Im Unterschied zur Nonner Rampe ist es ein Ausleitungskraftwerk, das dem Fluss auf eine weite Strecke bis auf einen kleinen Rest das Wasser nimmt. Die sieben betroffenen Kilometer zwischen Unken und Schneizlreuth sind bekannt und sehr beliebt als Wanderweg und Radverbindung nach Lofer, was sich beim Spaziergang an Pfingsten unter blauem Himmel bestätigte.


Bei der Wanderung, der sich auch die SPD-Landtagskandidatin Susanne Aigner mit Tochter Philippa anschloss, berichteten Elli Reischl und Ulrich Scheuerl vom Reichenhaller Ortsverein von den beiden Präsentationen der Pläne in Unken und jetzt in Schneizlreuth (wie in der PNP bereits berichtet). Besonders in Unken aber auch beim Schneizlreuther Postwirt herrschte großer Andrang. Und in beiden Versammlungen seien die Redebeiträge fast nur kritisch bis ablehnend gewesen. In Schneizlreuth waren es die Themen Trinkwasser, Restwasser, die Frage nach den anfallenden großen Abraummengen und nach dem Abtransport des Stroms. In Unken meldeten dagegen mehr die Verbände ihre Bedenken an. Naturschützer, Fischer und Kanusportler kündigten dort bereits ihren Widerstand an.

Josef Reschen, der für eine private Projektgesellschaft das Vorhaben präsentierte, sieht sich wohl keiner leichten Aufgabe gegenüber, meinte Elli Reischl. Sein Credo beim Postwirt sei gewesen, dass die Wasserkraft als erneuerbare Energie in Zeiten von Klimawandel und Energiewende dringend gebraucht werde. Und zu den eingebrachten Einwänden habe die Firma mit Sitz in Grabenstätt bereits eigene Untersuchungen angestellt. Allen Fragen werde Rechnung getragen und Reschen sei in der Versammlung immer bemüht gewesen, Entwarnung zu geben, so die ehemalige Reichenhaller Stadträtin.

Aufschlussreich sei die Antwort von Josef Reschen auf die Frage nach der Finanzierung gewesen, so Elli Reischl. Investoren zu finden, sei das geringste Problem. Alternativen zur Geldanlage gäbe es derzeit ja nicht, so Reschen. Offensichtlich gehe es mehr um Rendite als um eine naturverträgliche Energiegewinnung und die Energiewende und dabei wird auch auf unberührte Landschaft oder naturnahe Flussläufe wenig Rücksicht genommen, so Reischl.


Resolution und Selbstverpflichtung

Gemeindeübergreifend ist das Thema Saalachkraftwerke spätestens seit November 2001. Damals haben alle 15 Anliegergemeinden des Salzburger Landes und Bayerns die Saalachresolution in Kraft gesetzt. Ulrich Scheuerl nutzte die Wanderung, um diese Verpflichtungserklärung in Erinnerung zu rufen. Ihnen sei die Wertigkeit eines „natürlichen Flusslaufes mit teilweisem Wildwassercharakter bewusst“, erklärten damals die unterzeichnenden Bürgermeister und haben in acht Punkten Verbesserungen gelobt.

So sollen, auch zum Hochwasserschutz, die Uferbereiche aufgeweitet und der Auwald besser geschützt werden. Die Durchgängigkeitshindernisse würden erfasst und beseitigt. Für die Sohlsicherung müsse das „ursprüngliche Geschiebedargebot verbessert“ und die Durchgängigkeit wieder hergestellt werden. Insgesamt solle die Saalach wieder den Charakter eines natürlichen Gebirgsflusses bekommen. Nicht zuletzt auch zur Tourismusförderung.

Wenn man eines aus der Resolution herauslesen kann, dann, so Scheuerl, ist ein Ausleitungskraftwerk wie das zwischen Unken und Schneizlreuth vollkommen im Widerspruch zur Selbstverpflichtung der Anliegergemeinden. Unterschrieben haben es 2001 für Unken der Bürgermeister Kurt Sturm, für Schneizlreuth Klaus Bauregger und für Reichenhall OB Wolfgang Heitmeier. Ihre Nachfolger, so Scheuerl, sollten nicht so einfach beiseite schieben, was 2001 nach kritischer Bestandsaufnahme zum Zustand der Saalach vereinbart wurde.

Dass die Saalach Anstrengungen zur Aufwertung brauche, das habe der Deutsche Naturschutzbund (BUND) in seinem Gewässerreport 2018 erneut herausgestellt. Genau am Tag vor der Wanderung, so die Landtagskandidatin Susanne Aigner, haben das alle Medien gebracht. Die Saalach wurde darin als das Negativbeispiel genannt, während im Report die Verhinderung eines Wasserkraftwerkes im Oberallgäu positives hervorgehoben wurde. Im Allgäu konnte ein bedrohter Wildbach, die Ostrach, vor einer Verbauung geschützt werden. „Es geht“, so die Kandidatin, auch weil die Gerichte bei der Wasserkraft jetzt anders als noch vor Jahren zu Gunsten naturnaher Gewässer urteilen. „Viel Erfolg“ wünschte sie zum Abschluss der Wanderung.

Begegnung „alter Streiter“

Bei der Rast am Haiderhof traf der heute 85-jährige SPDler Fritz Derwart aus Reichenhall zufällig seinen damaligen Mitstreiter Candid Plereiter aus Unterjettenberg. Ende der 70iger Jahre sollte Oberjettenberg ein Truppenübungsplatz werden. Das Vorhaben hatte so mächtige Betreiber wie die Bundeswehr, die bayerische Staatsregierung und die Stadt Bad Reichenhall. Die Enteignungsverfahren gegen die Bauern waren bereits eingeleitet als sich 1983 dann die Bürgerinitiative „Rettet Oberjettenberg“ von den Bauern und ihren Unterstützern gestartet wurde. Es war „ein Kampf David gegen Goliath“, bis der Bundestag das Vorhaben 1987 dann endgültig „begraben“ hatte.




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