20.04.2013

Kompetenzzentrum für geistig behinderte Kinder und Jugendliche

Bild: SPDLogo
SPD-Kreistagsfraktion besuchte HPZ in Piding
Der Landkreis Berchtesgadener Land ist als Sachaufwandsträger für 10 Schulen zuständig. Eine davon ist die Rupertusschule als Teil des Heilpädagogischen Zentrums (HPZ) in Piding. Die SPD-Kreistagsfraktion machte sich zusammen mit dem Landtagskandidaten Roman Niederberger und der Bezirkstagskandidatin Güldane Akdemir vor Ort ein Bild von dieser wertvollen sozialpädagogischen Einrichtung. Sie fördert Kinder mit Entwicklungsverzögerungen ebenso wie geistig und mehrfach behinderte Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Eingehend erörtert wurde im Fachgespräch mit dem Schulleiter Gerhard Spannring und dem Leiter der HeilpädagogischenTagesstätte, Herrn Christian Baier, der bayerische Weg der Inklusion.

„Fast jeder kennt zwar dem Namen nach das HPZ, aber nicht jeder weiß, was dort so alles gemacht wird“, so Gerhard Spannring in seinen einleitenden Worten. Das HPZ gliedert sich in vier Teilbereiche: Die Frühförderstelle, die Rupertusschule, die Heilpädagogische Tagesstätte und die Therapieabteilung. In der Frühförderstelle werden Kinder bis zu 6 Jahren mit Entwicklungsproblemen durch frühes Erkennen gefördert und nach Möglichkeit vor bleibenden Schäden bewahrt. Das Lehrteam an der Rupertusschule orientiert sich an den individuellen geistigen Voraussetzungen eines jeden Kindes und arbeitet an der Vermittlung der Kulturtechniken sowie an der bestmöglichen Erziehung zur Selbständigkeit. Nach Schulschluss übernimmt die Tagesstätte die ganzheitliche Betreuung der Kinder und Jugendlichen und bietet neben hochwertiger Pflege ein breites Freizeitangebot. Die Therapieabteilung ergänzt das schulpädagogische Angebot mit gezielten, individuell abgestimmten Therapieformen, wie Ergo-, Logo-, Physio- und Bewegungstherapie, aber auch mit Kunst-, Erlebnis-, Spiel- und Musikpädagogik.

Insgesamt besuchten nach den Ausführungen des Schulleiters über 100 Kinder und Jugendliche die gesamte Einrichtung. Die Kinder bleiben in der Regel von 8 Uhr morgens bis nachmittags um 16 Uhr in der Einrichtung, um dann wieder in ihre Wohnorte im Landkreis gefahren zu werden. Dem HPZ angeschlossen sind dabei auch die integrativen Kindergärten in anderen Gemeinden, in denen Kinder mit besonderem Förderbedarf mit Regel-Kindergartenkindern in einer Gruppe zusammen sind. Im HPZ selbst finden sich Kinder ab 3 Jahren in einer Schulvorbereitenden Einrichtung (SVE), dem schließen sich die neun Schulpflichtjahre an, in denen die Kinder in jahrgangsübergreifenden Klassen unterrichtet werden. Danach wechseln sie für mindestens drei Jahre auf die Berufsschulstufe und können unter bestimmten Voraussetzungen noch zwei Jahre dranhängen.
Sowohl Gerhard Spannring als auch Christian Baier hoben die enge Zusammenarbeit zwischen Schule, Tagesstätte und Therapieabteilung hervor. Nur durch gemeinsame Förderpläne, regelmäßige gemeinsame Besprechungen und intensive Elternarbeit lasse sich ein ganzheitliches Förderkonzept zum Wohle der Kinder erfolgreich umsetzen.

Im gemeinsamen Gespräch wurde das Thema „Inklusion“ eingehend erörtert. Fraktionssprecher Hans Metzenleitner nahm Bezug auf eine Bertelsmann-Studie, wonach Bayern bei der Inklusion, d.h. Schüler mit Behinderung besuchen die Regelschule, den anderen Bundesländern hinterherhinken. Grundsätzlich sei die Idee zu begrüßen, Kinder mit Handicaps von Anfang an im normalen Umfeld zu belassen, erwiderte Gerhard Spannring, jedoch müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Soll Inklusion gelingen, müssen ausreichende personelle und finanzielle Ressourcen bereit gestellt werden, müssen Eltern von Anfang an mit ins Boot genommen werden, muss Teamteaching mehrerer Lehrpersonen und die Ganztagesschule zur Regel werden.
Davon sei man noch allerdings noch ziemlich weit entfernt, gab SPD-Kreisvorsitzender Roman Niederberger zu bedenken. Er konnte sich angesichts der klaffenden Lücke zwischen vernünftigem Anspruch und Realität des Eindrucks nicht erwehren, dass Vieles hier mit heißer Nadel gestrickt worden ist, um den Minimalanforderungen gerecht zu werden. Es bestehe sogar die Gefahr, dass der bayerische Weg zur Inklusion eher zu einer Verschlechterung der individuellen Förderung von behinderten Kindern und Jugendlichen führen könne. Welcher Weg schließlich der bessere sei – Inklusion an Regelschulen oder die ganzheitliche Beschulung und Betreuung an sonderpädagogischen Einrichtungen, hänge einerseits sehr stark vom Grad der Behinderung, andererseits von der Ausstattung der Inklusionsschule ab. „Ohne fachlich fundierte sonderpädagogische Einrichtungen wie das HPZ Piding oder das Förderzentrum St. Zeno wird eine Behindertenpädagogik nicht funktionieren“, so resümierte Landratstellvertreter Helmut Fürle das Fachgespräch.


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