21.04.2013

Klimaschutz ist mehr als eine Stromdebatte

Bild: Klimaschutzkonzept BGL
Die SPD-Kreistagsfraktion diskutiert das Klimaschutzkonzept mit Roman Niederberger
SPD-Kreistagsfraktion beschäftigte sich mit Klimaschutzkonzept des Landkreises
Eingehend beschäftigte sich die SPD-Kreistagsfraktion zusammen mit dem SPD-Kreisvorsitzenden Roman Niederberger mit dem Klimaschutzkonzept des Landkreises und den Möglichkeiten der Energiewende weg von der Atomenergie und den fossilen Energieträgern hin zu den erneuerbaren. Fraktionschef Hans Metzenleitner lobte die professionell erarbeiteten Basisdaten als seriöse Diskussionsgrundlage für einen Maßnahmenkatalog, um den Landkreis bis 2030 in deutlich höherem Maße aus regionalen und regenerativen Energiequellen zu versorgen – und das zu sozial verträglichen Preisen. Aufgrund der exakten Datenermittlung wurde dem frommen Wunschdenken, wonach sich der Landkreis innerhalb der nächsten 17 Jahre aus eigenen rein regenerativen Energiequellen speise, ein Ende bereitet. Die immer noch ehrgeizige Zielsetzung heißt nun, sich zu 25 % aus eigenen Energiequellen zu versorgen und den CO2 – Ausstoß um 47 % zu reduzieren. Heute verursacht jeder Landkreisbürger im Schnitt 10,6 Millionen Tonnen Kohlendioxid und ist somit vom bis 2020 von Bayern angestrebten Ziel von 6 Tonnen noch sehr weit entfernt.

Gleich zu Beginn konnte Metzenleitner auch einer weit verbreiteten falschen Annahme entgegnen, die Energiewende beschränke sich vor allem auf die elektrische Stromversorgung. Nur 16 % des Endenergieverbrauchs im Landkreis entfällt auf den Strom! 41 % entfallen auf die Wärme, also die Gebäudeheizungen, und 43 % gehen auf das Verkehrskonto. So verwundert es auch nicht, dass die Verfasser der Klimaschutzstudie in ihrer Potenzialanalyse im Wärmebereich die größten Einspar- und Effizienzpotentiale sehen. Für die SPD-Fraktion heißt dies ganz klar, sich nicht nur, wie bisher geschehen, auf die Stromdebatte um Wasser, Wind und Solar zu beschränken, so wichtig diese Bereiche auch sind, weil sie sich vergleichsweise noch am leichtesten realisieren lassen. Bei der Stromerzeugung bestehe am ehesten die Chance, sich bis 2030 aus rein erneuerbaren Energien zu speisen.

Metzenleitner warb daher auch für eine möglichst vorurteilsfreie Prüfung aller sich bietenden Möglichkeiten. Er denke dabei an den umstrittenen Ausbau der Wasserkraft an der Salzach ebenso wie an die Errichtung von Windkraftanlagen, beispielsweise am Teisenberg. Wichtig für die SPD sei eine fachlich und politisch umfassende Abwägung aller Vor- und Nachteile bei jeder einzelnen Maßnahme. So gelte es, ein Projekt wie das geplante Pumpspeicherkraftwerk am Poschberg, das von der Systematik her schon zu 30 % Energieverlusten und zu deutlichen Landschaftsveränderungen führe, sehr kritisch auf die Gesamt-Ökobilanz sowie auf die Wertschöpfung für den Landkreis hin zu prüfen. Unternehmerische Einzelinteressen müssen sich nicht zwangsläufig mit den Landkreiszielen, die CO2 – Bilanz zu verbessern, decken. Die SPD begrüßt es daher, dass der Landkreis in das Alpenraumprojekt „Alpstore“ eingebunden ist, weil über die Notwendigkeit und die technische Weiterentwicklung der Speichertechnik noch vieles im Unklaren liegt.

Der Schwerpunkt der Arbeit, die vom künftigen Klimaschutzmanager koordiniert und vorangetrieben wird, muss sich daher nach Einschätzung des SPD-Vorsitzenden Roman Niederberger auf die Bereiche Wärme und Verkehr richten. Gelingen könne dies nur, wenn alle Gemeinden und die Wirtschaft, vor allem die Handwerkerschaft, eng mit ins Boot geholt werde. Im Bereich „Verkehr“ werde es sicherlich am schwierigsten werden, die Klimaziele zu erreichen. Niederberger mahnte infolgedessen eine grundlegend veränderte Verkehrspolitik an, die auf die Schiene und auf den Öffentlichen Personennahverkehr setze. Insgesamt lobte er jedoch die Initiative des Landkreises für mehr Klimaschutz und bedauerte die bisher völlig fehlenden übergreifenden Planungen für eine effektive Energiewende seitens der Bayerischen Staatsregierung.

Foto:
Der Vorsitzende der Kreistagsfraktion stellt den Entwurf des Klimaschutzkonzeptes vor (von links nach rechts):
Roman Niederberger (SPD-Kreisvorsitzender und Landtagskandidat), Walter Parma (Kreisrat, Mitglied im Umweltausschuss), Hans Metzenleitner (Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion), Eva Berger (Kreisrätin), Bartl Mittner (Kreisrat, 3. Bürgermeister Berchtesgaden)


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